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EDTA-CHELAT-THERAPIE Chemisches
und pharmakologisches Wirkprinzip von EDTA
Die
Wurzeln der Chelat-Therapie sind über 100 Jahre
alt. Doch wie in vielen anderen Fällen auch hat
der Anfang der Geschichte noch überhaupt nichts
mit der Chelat-Therapie, so wie wir sie heute kennen,
zu tun.
Zunächst
war da erst einmal die Entdeckung einer biochemischen
Verbindung 1893 in einem Schweizer Labor, deren Bedeutung
man nicht erkannte.
Wer
konnte damals schon richtig einschätzen, dass eine
chemische Verbindung, die man später als Chelatbildner
bezeichnete.Schwermetalle, Metalle und andere Schadstoff
binden kann, die normalerweise nicht wasserlöslich
sind und die man auf diese Weise schadlos aus vielen
Substanzen entfernen kann.
Später
dann, fand man in der Zitronensäure eine Substanz,
die "unerwünschte Bestandteile" aus den
Textilien entfernte, ein wichtiger Produktionsschritt
in der Textilindustrie!
Durch
die wirtschaftliche und politische Isolierung der Kriegszeit
suchte man in Deutschland nach einem Ersatzstoff für
die Zitronensäure. Man fand diesen in einer Substanz,
die man mit Ethylen-Diamin-Tetraazetat (EDTA) bezeichnete.
Dieses Produkt war zum Beispiel in der Lage, Kalkflecken
aus Textilien zu entfernen.
Recht
bald erkannte man aber,dass dieser Stoff auch ein idealer
Zusatz von Wasch- und Reinigungsmitteln ist und dass
man auch in der Pharmaindustrie Mineralien und bestimmte
Medikamente an Chelatkomplexe binden kann, damit sie
besser in den Körper aufgenommen werden.
All
das geriet nach Ende des Zweiten Weltkrieges aber wieder
in Vergessenheit. Es waren dann die Amerikaner, die
1945 die Patente übernahmen mit der Absicht, EDTA
auch bei radioaktiven Verseuchungen einzusetzen, um
die strahlungsaktiven Isotope aus dem Körper zu
entfernen.
Die
Bedeutung des Chelatbildners EDTA für die Medizin
wurde erstmals bekannt, als Arbeiter einer Akkumulatorenfabrik,
die an einer Bleivergiftung litten, mit dieser Substanz
behandelt wurden und sich schnell von ihrer toxischen
Belastung erholten.
Hier
setzt auch mein Kontakt mit Chelat an, da ich in meiner
wissenschaftlich aktiven Zeit in Heidelberg mit Flavonoiden
und Anthocyanen gearbeitet habe. Flavonoide sind phantastische
Komplexbildner und zum Teil auch Chelatbildner, die
sich zur Entgiftung nicht nur von Schwermetallen eignen.
Doch
wo liegt der Unterschied?
Das
Wort Chelat leitet sich vom griechischen Wort Chele
= Krebsschere ab und wurde 1920 durch Morgan und Drew
als Sammelbezeichnung für solche cyclischen Verbindungen
eingeführt, bei denen Metalle, Gruppierungen mit
einsamen Elektronenpaaren oder mit Elektronenlücken
und Wasserstoff an der Ringbildung beteiligt sind.
| Mg:
292,2 | C10H16N2O8 |
| weißes,
kristallines Pulver; Schmp.220°C |
| Löslichkeit: | sehr
schwer löslich in H2O |
| | gut
löslich Alkalihydroxidlösung |
Durch
Ansäuren auf Ph 5 entsteht das Dinatriumsalz der
Edetinsäure, ein weißes kristalline Pulver,
Mg 372,2, das nun leicht in Wasser löslich ist.
EDTA
hat 6 frei Elektronenpaare, die sie dem Metall-Kation
anbieten kann. Zwei der Aminogruppen und vier der Sauerstoffatome
der Säuregruppen. Diese sechs Atome werden auch
als die Zähne des EDTA-Moleküls bezeichnet,
die z.B. das Ca (siehe Abbildung) binden.
Die
Strukturformel zeigt, dass das Metall in einen heterocyclischen
Ring eingebunden ist, dabei wird die Reaktionsfähigkeit
des Kations aufgehoben und verliert seine Eigenschaft.
Für die Bildung von EDTA- Komplexen sind ein paar
wichtige Faktoren zu beachten.
| 1. | PH-Wert.
Mit ansteigendem PH wird das Chelat stabiler und
verliert weniger leich sein Metallion. In vitro
sind die stabilsten Chelate im basischen, in vivo
haben wir natürlich eine strenge Abpufferung
des Blut-PH. |
| 2. | Bindungsstärke:
Die Affinität verschiedener Metallionen zu
einem Chelatagens ist unterschiedlich. Bei konkurrierenden
Metallionen wird das Ion mit der größeren
Affinität komplexieren. Man kann diese auch
mathematisch mit der Stabilitätskonstante Ks
ausdrücken. Je größer diese Konstante
ist, desto größer ist die Bereitschaft
zu komplexieren und desto stabiler ist das Chelat.
Die Werte werden logarithmisch angegeben, als LogK. |
| Metall-Kation | Log
K |
| Fe+++ | 25.1 |
| Hg++ | 21.8 |
| Cu++
| 18.8 |
| Pb++
| 18.5 |
| Ni++ | 18.0 |
| Zn++
| 16.5 |
| Cd++
| 16.5 |
| Co++
| 16.3 |
| A1+++ | 16.1 |
| Fe++
| 14.3 |
| Mn++ | 13.7 |
| Ca++
| 10.7 |
| Mg++ | 8.7 |
Wie
man aus der Tabelle leicht ersehen kann, haben die Schwermetalle
wie Eisen, Kupfer und Quecksilber eine sehr hohe Affinität,
während die Erdalkalimetalle wie Magnesium und
Calcium geringeren und die monovalenten Alkalimetalle
wie Kalium und Natrium die geringste Affinität
besitzen und damit auch die kleinste Stabilitätskonstante.
Die
in der Praxis interessanten Metallionen sind also di-oder
trivalent.
| 3.
| Konzentration:
Die relative Konzentration spielt auch eine gewisse
Rolle, so können Metalle niederer Affinität
in großer Konzentration Metalle mit stärkerer
Affinität verdrängen. So ist z.B. Calcium
in vivo stark chelatiert, obwohl es in der Liste
weit unten steht, da es im Plasma doch in einer
relativ hohen Konzentration vorkommt! |
| 4. | Interaktionen
in vivo: Die Stabilitätskonstante wurden in
vitro ermittelt. In vivo gibt es allerdings noch
eine ganze Reihe endogener Liganden, die mit EDTA
um das Metallion konkurrieren können, so sind
die aktiven Metallionen an Protein, Enzyme oder
Transportprotein wie z.B. das Transferrin gebunden.
Das heißt, die so gebundenen Metalle werden
kaum aus ihrer physiologischen Verbindung gerissen,
es geht viel mehr um ungebundene, freie, meist toxische
Metallionen, die in kleinen Mengen vorkommen. |
Quintessenz
der Bindungsaffinität:
Sobald EDTA in die Blutbahn gerät lässt es
das Magnesium frei, bindet das Calcium, lässt auch
dieses frei, wenn sich ein Metallion mit höherer
Affinität findet ( meist toxischer) usw., mit dem
toxischen Metall höhster Affinität verlässt
es über die Niere den Körper.
Wenn
wir von EDTA-Dinatriumsalz sprechen, müsste man
korrekterweise auch die beiden Wasserstoffe der vier
Säurereste benennen, die nicht mit Na+ neutralisiert
sind und deshalb auch noch frei sind für eine weitere
Neutralisation. In der Praxis wird das mit einer berechneten
Menge Magnesium getan. Wenn also eine Infusion von EDTA
ins Blut gelangt, so wird bei einer relativ hohen Ca-Konzentration,
das Mg sofort als Mg-Ion freigesetzt.
Es
muß nochmals betont werden, das nur Metalle die
frei in ionisierter Form oder in nur schwacher Bindung
vorliegen, Chelate bilden können, während
Metalle, die in fester chemischer Bindung mit Phosphaten
oder Silicaten, wie z.B. in unserem Skelett, nicht zugänglich
sind. Um dennoch toxische Schwermetalle komplett eliminieren
zu können, müssen die Infusionen öfter
wiederholt werden und es muss genügend. Zeit gegeben
werden, bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat zwischen
gebundenem und freiem Schwermetallion im Blut.
Pharmakologie
Die
Chelattherapie mit intravenöser Gabe von Ethylendiamintetraessigsäure
(EDTA) wird seit etwa 30 Jahren von einer ständig
zunehmenden Zahl von Ärzten angewandt. Es ist inzwischen
bekannt, dass beobachtete Nierenschäden oder andere
unerwünschte Effekte der Chelattherapie auf eine
zu rasche Infusion (unter 2Std.) oder Überdosis
(50mg/kg Körpergewicht überschreitende Menge)
bei gleichzeitig vorgeschädigter Niere, bzw. schweren
Bleivergiftungen, zurückzuführen sind.
Wegen der relativ großen Menge freien ionisierten
Calcium im Blut kann eine schnelle i. V.-Infusion von
EDTA zu einer hypocalcämischen Tetanie führen.
Eine langsame Infusion etwa I5mg/Min, (ca.25-40Tropfen)
führt generell nur zu einer geringen Abnahme von
freien Serumkalzium und vermeidet die Gefahr einer Tetanie.
Wenn die EDTA-Lösung langsam über längere
Zeit infundiert wird, geht das Calcium aus anderen Zelldepots
wie Zell- und Gefäßwänden sowie Knochen
in die Lösung und wird im Urin ausgeschieden.
Eine
langsame Reduktion von Semmkalzium stimuliert die Sekretion
von Parathormon
und es bleibt dabei das Serum-Calcium unverändert.
Theoretisch werden bei einer i.V.-Infüsion von
3g EDTA 324 mg. Calcium ausgeschieden, das ist etwa
die doppelte Menge einer physiologischen täglichen
Ausscheidung.
Ein
weiterer wichtiger Aspekt von EDTA-Infusion betrifft
den Knochenmetabolismus. Wie erwähnt verursacht
die Reduktion von Serumcalcium eine schnelle Ausscheidung
von Parathormon um den Ca-Verlust auszugleichen.
Bei
einem primären Hyperparathyreoidismus sind die
Ruhe-PTH-Spiegel erhöht und die EDTA-Therapie führt
zu einer überschießenden Reaktion. Beim Hypoparathyreoidismus
sind die Ruhe-PTH-Spiegel innerhalb der Norm, aber die
EDTA-Therapie führt zu keiner oder doch nur schwachen
Reaktion. Bei einem latenten Hypoparathyreoidismus bleiben
die Calciumspiegel 12 Stunden nach einer EDTA-Stimulierung
gesenkt.
Durch die kurzzeitige, rhythmische Zunahme von Parathormon
bei der EDTA-Therapie kommt es nach einer 3-4 wöchigen
osteoklastischen Phase zu einer anschließenden
2-3 monatigen
osteoblastischen Phase, in welcher es zu verstärkter
Knochenneubildung kommt. Man spricht sogar von einer
signifikanten Verbesserung der Knochendichte 2-3%. Wenn
von vorneherein das Calciumsalz von EDTA verwendet wird,
verändert sich das Calcium Gleichgewicht im Serum
nicht.
Das Dinatrium-EDTA-Molekül wird nicht metabolisiert
und auch nicht resorbiert. Nach intravenöser Infusion
der EDTA Lösung bildet sich aus Na2-EDTA CaNa2-EDTA,
das rasch im Urin ausgeschieden wird. Etwa 50% verlassen
den Körper in einer Stunde und über 95% innerhalb
von 24 Stunden. Mit radioaktiv markierter Substanz wurde
festgestellt, dass nach 4S Stunden nur noch 0,5% im
Körper vorhanden sind. Es wird vermutet, dass dieser
nur langsam ausgeschiedene Reste an Eisen gebunden ist.
Weniger als 0,1% erscheinen als CO2 in der Atemluft.
Die rasche Ausscheidung durch die Nieren ist darauf
zurückzuführen, dass die Substanz sowohl im
Glomerulum filtriert als auch irn Tubulus sezerniert
wird.
Vorsicht
ist geboten bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion,
die Ausscheidung von EDTA kann wesentlich verzögert
sein.
EDTA ist eine relativ untoxische Substanz, da sie nicht
metabolisiert und sehr schnell ausgeschieden wird. Die
Verabfolgung zu hoher Dosen in zu kurzer Zeit kann Nierenschädigungen
hervorrufen, durch Freisetzung von Schwermetallen in
den Nierentubuli.
Renale
Irritationen mit leichtem Anstieg der Harnstoff- und
Kreatininwerte sind in der Regel reversibel und verschwinden
nach Absetzen der Therapie in wenigen Tagen.
Allergien und anaphylaktische Reahionen auf EDTA treten
äußerst selten auf. Dies kann jedoch der
Fall sein, falls den EDTA-Infusionen Zusätze, wie
Vitamine des B-Kompiexes, Procain etc., beigemischt
werden.
Häufig
wird nach Infusion von EDTA-Lösung eine Senkung
des diastolischen und systolischen Blutdruckes um 5
bis 20 mm Hg beobachtet.
Ich möchte noch mal betonen, was geschieht, wenn
wir EDTA infundieren; EDTA bindet Metalle, dass ist
alles. Doch dieses Effekt hat eine Kaskade von Folge
Wirkungen. Die Entfernung von toxischen Mineralien wie
Blei, Arsen, Nickel und Aluminium hat eine große
Bedeutung für unser Enzym-System, Immunsystem,
Mitochondrien und den frühen Zelltod.
Neuere
Entdeckungen auf dem Gebiet der Pathologie der freien
Radikale stellen eine
umfassende wissenschaftliche Grundlage dar, um die günstigen
Auswirkungen der
EDTA-Chelat-Therapie zu erklären.
Die
EDTA kann die Produktion der freien Radikale millionenfach
reduzieren.
Der fortschreitende Prozess der schädlichen Lipidoxidation
durch die freien Radikale
kann durch Dekorporation von zuweilen in Spurenmengen
vorhandenen Schwermetallen und des dislozierten Eisens
und Kupfers mittels EDTA bis um das Millionenfache gehemmt
werden.
In
Gegenwart von EDTA können die Metall-Ionen die
Entstehung der freien Radikale nicht katalytisch beschleunigen.
Spuren von ungebundenen Metall-Ionen sind für unkontrollierte
Proliferation der freien Radikale im Gewebe erforderlich.
EDTA bindet die ionisierten Metallkatalysatoren, macht
sie dadurch chemisch inert und entfernt sie aus dem
Körper. Die
Chelat-Therapie reaktiviert Enzyme durch Entfernung
de toxischen Schwermetalle. Der Bleigehalt in Knochen
hat sich beim Menschen seit Beginn der industriellen
Revolution mehr als verfünfhundertfacht. Die Fähigkeit
Mineralien aus Leber und Niere zu beseitigen entlastet
diese Organe wesentlich.
Die
Entfernung von sog. essentiellen Mineralien wie Eisen,
Kupfer, Zink, Mangan und
Kalzium sofern sie ungebunden ionisch vorkommen, vermindert
die Aktivität der freien
Radikale und fuhrt zu einer Veränderung der Zellfunktion,
Stabilisierung der
Zellmembran und Unversehrtheit der Blutplättchen.
Weitere
günstige Auswirkungen der Chelat-Therapie kommen
zustande durch Entkoppelung der Disulfidbrücken
und metallischen Quervernetzungen, durch Normalisierung
des Calciumstoffwechsels, durch Reaktivation von Enzymen,
die durch Blei oder andere toxische Metalle inhibiert
wurden, und durch Wiederherstellung normaler Prostacyclin-Produktion
in der Gefäßwand. Die Bedeutung und Interpretatien
all dieser Effekte wird an anderer Stelle diskutiert.
Bei
oraler Verabreichung von EDTA werden nur etwa 5% vom
Gastrointestinaltrakt resorbiert, der Rest wird über
den Stuhl ausgeschieden. Oral verabreichtes EDTA kann
sogar im Darm Spurenelemente binden und deren Resorption
verhindern. Man kann sich sogar ein Einschleusen von
toxischen Mineralien vorstellen; Aus diesen Gründen
kommt die orale Verabreichung in praxi nicht in Frage!
Kleine Mengen von EDTA können auch über die
Haut resorbiert werden. Man kann auch klein Konzentrationen
von EDTA in der Spinalflüssigkeit nachweissen
nach einer Infusionstherapie. Intramuskuläre Verabreichung
von EDTA fuhrt zu Zellschäden und Schmerzen und
ist daher kontraindiziert.
Autor:
Dr. rer. nat. Joachim Exner |