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  Arteriosklerose: Die neue Sichtweise

"Sie verursacht Schmerzen im Brustkorb. Herzinfarkt und Schlaganfall und führt bei den Todesursachen vor Krebs. Die lange vorherrschende Meinung über die Entwicklung dieser Krankheit stellte sich als falsch heraus." By Peter Libby

Bis vor 5 Jahren hätten die meisten Arzte mit Überzeugung die Arteriosklerose als ein glattes Verstopfungsproblem beschrieben. Fett geladene Pfropfen bilden sich an den Oberflächen der passiven Arterienwand. Wenn eine Ablagerung (Plaque) groß genug wächst, verschließt sie eventuell ''die Röhre" und hindert das Blut daran, das betreffende Gewebe zu erreichen. Nach einer Weile stirbt das unterversorgte Gewebe ab. Unterliegen ein Teil des Herzmuskels oder des Gehirns dieser Ünterversorgung, sind Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge.

Diese schön saubere Erklärung glauben heute nur noch wenige. Untersuchungen seit mehr als 20 Jahren haben jetzt gezeigt, daß Arterien nicht viel mit Röhren gemeinsam haben. Sie enthalten lebende Zellen, die dauernd miteinander und mit ihrer Umgebung kommunizieren. Diese Zellen beteiligen sich an der Entwicklung und dem Wachstum von arteriosklerotischen Ablagerungen, welche in und nicht auf der Arterienwand entstehen!

Relativ wenige der Ablagerungen werden so groß, daß sie den Blutstrom bis zu einer nadelspitzen-großen Öffnung zusammendrücken. Die meisten Herzinfarkte und viele Schlaganfälle entstehen jedoch weniger durch verschließende Plaques, sondern durch Plaques, die plötzlich, aufbrechen, einen notwendigen Blutpfropfen oder Thrombus bilden, die dann den Blutfluß blockieren. Die Forschung hat mehr und mehr der Entzündung .eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Arteriosklerose zugesprochen. Diesem Prozeß, der verursacht daß sich eine infizierte Wunde rötet, anschwillt, heiß und schmerzhaft wird - unterliegen alle Phasen von der Entstehung eines Plaques, seinem Wachstum und seinem drohenden Aufbrechen (RUPTUR). Wenn mikrobielle Eindringlinge uns angreifen; helfen Entzündungen, sie zu überstehen, ("on fire") Im Falle der Arteriosklerose zeigt sich die Entzündung jedoch als gefährlich! Mit anderen Worten, unser eigenes Abwehrsystem bombardiert uns mit "freundlichem Feuer", so wie es in mehr bekannten Fällen von Entzündungen bekannt ist, wie zum Beispiel bei der Rheumatoiden Arthitis.

Dieses revidierte Konzept deutet an, neue Ideen für die Entdeckung und die Behandlung der Arteriosklerose gefunden zu haben. Es löst auch manches verbreitetes Geheimnis auf, vor allem, warum viele Herzinfarkte ohne Warnung geschehen und warum manche Therapien bei Herzinfarkt öfters fehlschlagen.
Das allgemeine "Weh" braucht eine bessere Prävention; Entdeckung, Diagnostik und Therapie der Arteriosklerose. Entgegen der "öffentlichen Meinung", übersteigen Herzinfarkte und Schlaganfalle, die aufgrund dieser Konditionen resultieren, Krebs als Todesursache in Industrieländern - und in den Entwicklungsländern steigen sie an.
Start-Schwierigkeiten. Den Alttbrderen fehlte die Möglichkeit, die Interaktionen zwischen Zellen und Molekülen zu beschreiben, sie stützten sich auf das was sie sehen und fühlen konnten. Heute wissen wir, daß die sichtbaren Anzeichen der Ausdruck eines Kampfes auf dem mikroskopischen Schlachtfeld reflektieren. Nachdem bemerkt wird, daß eine mikrobielle Attacke begonnen hat, werden gewisse weiße Blutkörperchen als "Frontkämpfer" in das betroffene Gewebe geschickt. Dort sondern sie ein Sekret ab, das jede Infektion begrenzen soll. Dieses chemische Sekret enthält Oxidatienen (Freie Radikale),die fähig sind, Eindringlinge zu zerstören und Signalmoleküle wie kleine Eiweiße die Cytokine genannt werden, die Abwehrzellen zu aktivieren. Forscher dokumentieren eine Entzündung durch den Nachweis von Entzündungsmediatoren und deren Aktivität in einem Gewebe.

Das deutlichste Bild der Rolle, die Entzündungen bei der Entstehung der Arterioskterose haben, kommt aus den Untersuchungen über LOW Density Lipoprotein (LDL) das schlechte Cholesterin. LDL Moleküle setzen sich aus Lipiden und Proteinen zusammen, Transport-Cholesterin (ein anderes Lipid) aus der Leber, den Därmen oder anderen Organen. Wissenschaftler haben schon lange gewußt, daß der Körper auch LDL und Cholesterin braucht, aber daß überhöhte Werte zur Entstehung der Arteriosklerose führen. Experimente mit Zellkulturen und Tierexperimente zeigen auf, daß die Schwierigkeiten entstehen wenn LDLs vom Blut in der Intima oxidiem - dem Teil der Arterienwand, der dem Blutstrom am nähesten ist. Bei denkbar vernünftigen LDL Konzentrationen im Blut kann das LDL in die Intima ein- und austreten, was hauptsächlich an den Endothelzellen geschieht, welche die Gefäßwand auskleiden und an der darunterliegenden extrazellulären Matrix (connectiv tissue) und den oberflächlichen weichen Muskelzellen (Matrix producers). Aber im Übermaß vorhanden, bleiben die LDLs oft in der Matrix stecken.

Während die LSLs sich anhäufen, unterlaufen ihre Lipide einer Oiidation (ähnlich wie das Ranzig werden der Butter) und ihre Proteine (Eiweiße) durchlaufen zweierlei: Der Oxidatlon und der Glycation (Bindung durch Zuckerstoffe). Zellen in der Gefäßwand scheinen diese Veränderungen als Zeichen von Gefahr zu deuten und rufen zur Verstärkung das körpereigene Abwehrsystem herbei. Insbesondere entfalten Endothelzeüen Haftmoleküle an ihrer mit Blut ausgekleideten Oberfläche. Diese Moleküle haften sich wie mit einem Klettverschluß an die ruhenden Entzündungszellen, bekannt als Monozyten, die normalerweise im Blut zirkulieren. Diese Interaktion bewirkt, daß die Zellen aus der Zirkulation heraus tröpfeln, um sich entlang der Arterienwand festzusetzen. Die modifizierten LDLs (oxidierten) spornen auch die Endothelzellen und die weichen Muskelzellen der Intima an und entlassen ein chemisches Sekret, die Chemokine genannt werden, welche die Monocyten angreifen. Mehr noch als Hunde die Spur ihrer Beute verfolgen, drängen sich die Monoztyen zwischen die Endothelzellen und folgen der chemischen Spur der Intima, Chemokine und andere Substanzen arbeiten sich sorgfaltig durch die Endothelzellen und die weichen Muskelzellen, veranlassen die Vermehrung der Monozyten und reifen zu aktiven Makrophagen - als voll bewaffnete Kämpfer heran, bereit ihre Waffen gegen die Feinde des Körpers zu richten. Die Kämpfer werden zum Entfernen von Eindringlingen in die Gefaßwand eingesetzt. Die Makrophagen dekorieren ihre Außenhülle mit Molekülen, die Scavenger Rezeptoren genannt werden, welche modizifierte (oxidierte) LDL Partikel fangen und dabei helfen, sie zu "fressen". Die Makrophagen werden so mit Fetttropfen überladen, daß sie unter dem Mikroskop wie Schaumzellen aussehen. - Und so werden die fettgefüllten Makrophagen auch genannt.

Nur weil Monozyten Adhesionsmolekülen und Chemokinen in die Intima folgen, so machen es auch T-Lymphozyten, (weiße Blutzellen), die einen unterschiedlichen Zweig des Immunsystems repräsentieren. Diese Lymphozyten entlassen auch Cytokine, was die entzündliche Aktivität in der Arterienwand noch anfeuert. Zusammen mit den Schaum-Makrophagen (Schaumzellen) setzen sich eine kleinere Anzahl von T-Lymphozyten als Fettstreifen ab - einem Precurser von komplexen Plaques, die später die Arterien verformen. Wenn eine Entzündungsantwort in einem sagen wir (scaped) verletzten Knie erfolgreich die Infektion abgefangen hat, entlassen Makrophagen Moleküle, die die Heilung anregen. Ein "Heilungsprozeß" wird auch von einer mehr chronischen - einer mehr unterschwellingen Art von Entzündung begleitet - der auch bei der Arteriosklerose stattfindet. Anstatt die Arterenwand wieder in ihren Originalzustand zu versetzen, wird der Prozeß umgebildet, eventuell einen größeren mehr komplizierten Plaques zu bilden.

In den letzen Jahren haben Biologen herausgefunden , daß Makrophagen, Endothelzellen und weiche Muskelzellen der entzündeten Intima Faktoren absondern, welche die weichen Muskelzellen dazu anspornen, an die Oberfläche der Intima zu wandern sich zu replizieren und Komponenten der extrazellulären Matrix zu synthetisieren. Die Zellen und die Matrixmoleküle vereinigen sich in eine fibröse Abdeckung, die sich über die originale arterosklerotische Zone legt. Wenn dieser "Deckel" wächst, verändert sich die darunterliegende Zone irgendwie. Offensichtlich sterben einige Teile der Schaumzellen ab, wobei Fette (Lipide) freigesetzt werden. Aus diesem Grund bezeichnen Pathologen die Region unter der Kappe als fetten - oder nekrotischen Kern.

Überraschender Weise dehnen sich die arteriosklerotischen Plaques während der meisten Zeit ihrer Existenz nach außen gerichtet aus, eher als an einen arteriellen blutfuhrenden Kanal. Dieses Muster schützt den Blutfluß für einige Zeit, oft über DEKADEN. Wenn die Plaques sich nach innen drücken, schränkt eine Verengung den Blutkanal ein - ein Zustand der Stenose genannt wird. Stenosen können den Blutfluß - speziell in Zeiten größten Bedarfs vermindern, nämlich dann, wenn sich die Arterien normalerweise erweitem wurden. Wenn jemand Sport treibt oder unter Stress gerät, kann zum Beispiel der Blutfluß durch eine komprimierte Herzarterie den benötigten größeren Bedarf nicht mehr gewährleisten und dadurch Angina pectoris verursachen: Ein Gefühl von Enge oder Druckschmerz hinter dem Brustbein. Eine Verengung anderer Arterien können schmerzhafte Verkrampfungen der-Waden oder Po Backen währen Anstrengung sein, Symptome bekannt als intermettiernedes Hinken (Claudicatio intermittens)

Manchmal wächst ein Plaque so groß, daß es den Blutfiuß einer Arterie zum Stoppen bringt und dadurch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall verursacht. Jedoch ereignen sich nur etwa 15% der Herzinfarkte auf diesem Weg. Durch eine sorgfältig durchgeführte Untersuchung der Arterienwände von an Herzinfarkt verstorben Leuten haben Pathologen demonstriert, daß die meisten Infarkte geschehen sind, nachdem die Kappe aufgebrochen war, gefolgt von einem Blutgerinnsel, das sich über dem Bruch entwickelt hatte. Die Plaques, welche am leichtesten brechen, besitzen eine verdünnte Kappe, einen großen Pool von Lipiden und viele Makophagen, und ihr (vulnerabel steins????) verwundbarer Stiel -und wie in den früheren Stadien der Arteriosklerose - Entzündungen.

Die Intergrität der fibrösen Abdeckungen (Kappen) hängt größtenteils von stahlharten Kollagenfasem ab, die von den weichen Muskelzellen produziert werden. Wenn irgend etwas eine Entzündung in den relativ ruhigen Plaques aufflackern läßt, werden Entzundungsmediatoren zu dem Prozeß hinzukommen, welche die Kappe mindestens in zwei Arten (compromise) bloßstellt (?). Mein Labor hat gezeigt, daß diese Entzündungsmediatoren Makrophagen stimulieren können, um Enzyme zu entlassen, welche Kollagen abbauen, und die weichen Muskelzellen daran hindern können, frisches Kollagen zu ersetzen, das gebraucht wird, um die Kappe zu erhalten. Blutgerinnsel bilden sich wenn Blut durch einen Riß in der Kappe sickert und der Lipidkern mit dem Proteinkern zusammentrifft, die fähig sind, eine Blutgerinnung zu fördern. Zum Beispiel Moleküle in T-Zellen in den Plaques regen Schaumzellen an, um eine Vielzahl von Gewebefaktoren herzustellen und ein potentes Blutgerinnsel herbeizuführen. Das zirkulierende Blut an sich enthält Precurser von dem Protein, das für die Kaskade von Reaktionen bei der Bildung von Blutgerinnseln verantwortlich ist. Wenn das Blut auf einen Gewebefaktor und andere Gerinnungsförderer in einem Plaques trifft, springt der Gerinnungsfaktor in Aktion. Unser Körper produziert Substanzen, die einer Gerinnselbildung vorbeugen oder ein Gerinnsel abbauen können, bevor es einen Herzinfarkt oder Schalganfall verursacht. Aber entzündete Plaques entlassen chemische Substanzen, welche verhindern, die angeborene Gerinnsel-Zerstör-Maschinerie in Gang zu setzen.

Wenn ein Gerinnsel auf natürlichem Wege oder durch Medikamente gelöst wird, mag der Heilungsprozeß noch einmal "angeschubst" zu werden und die Kappe repariert werden. Aber es wird weiterhin eine Vergrößerung des Plaques durch Narbengewebe verursacht. Wirklich, bedeutende in Erwägung zu ziehende Beweise legen nahe, daß das Wachstum von Plaques durch immer wiederkehrende Entzündungsreize beginnt und fails aufgetretende Gerinnsel sich wieder auflösen- auch durch das hinterlassene Narbengewebe.

Das neue Bild der Arteriosklerose erklärt, warum viele Herzinfarkte aus dem "Blauen Himmel" heraus passieren: Die aufbrechenden Plaques müssen nicht notwendigerweise in das Blutgefäß herausragen und das Blutgefäß verengen und deshalb keine Angina pectoris verursachen oder bei der Aufnahme der Kranzgefäße nicht so übergroß und wichtig erscheinen. Diese neue Sichtweise erklärt auch, warum Therapien die auf Erweiterung der Blutgefäße und einer Vergrößerung der Blutpassage in halb verschlossenen Gefäßen (Ballondilation oder das Einsetzen von Stents oder durch Bypass-Operation) Angina pectoris nur vorübergehend erleichtem kann, aber häufig fehlschlägt, einen weiteren zukünftigen Herzinfarkt zu verhindern. In solchen Fällen mag die lauernde Gefahr sonstwo gesucht werden, wo ein Plaque weniger Verengung verursacht, jedoch anfälliger dafür ist, aufzubrechen. Traurigerweise verschließen sich behandelte Arterie oft recht schnell wieder selbst wenn eine Stenose das Problem ist, offenbar weil die Behandlung mit einer handfesten Entzündung antwortet.

Übersetzung: Karin Löprich.

 
   

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